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Aktuelles

23.11.2016: 

BR Fernsehen DokThema "Keime aus dem Tierstall - Wie gefährlich sind sie wirklich ?"

Diese sehr sehenswerte Fernsehdokumentation des Bayerischen Rundfunks finden Sie  hier.


Der BR schreibt dazu:

Putenfleisch vom Discounter, das mit Antibiotika resistenten Keimen verseucht ist. Landwirte, die in Kliniken sofort in Quarantäne kommen, weil sie als Risikopatienten gelten. Bürgerinitiativen, die sich gegen Ställe für Massentierhaltung in ihrer Nachbarschaft wehren: Die Angst vor der Gefahr aus dem Tierstall wächst. Doch ist sie berechtigt ? 

Als Hauptursache für die Verbreitung multiresistenter Keime wird der zu hohe Verbrauch von Antibiotika gesehen. Im letzten Jahr kamen in Deutschland laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 805 Tonnen Antibiotika in der Tiermedizin zum Einsatz. Das entspricht einem Rückgang um gut ein Drittel gegenüber dem Vorjahr ! 

Trotzdem kann von einer Entwarnung keine Rede sein. Denn in Deutschland sterben – konservativ geschätzt – mindestens 6.000 Menschen pro Jahr an den Folgen von multiresistenten Keimen. Die Ursachen sind komplex, liegen aber laut Kritikern beispielsweise von German Watch nicht nur in der Humanmedizin begründet, sondern auch an den Bedingungen in der Massentierhaltung wie zu enge Ställe für zu viele Tieren, die wenn sie erkranken, nicht isoliert, sondern in Gruppen oder ganz im Stall behandelt werden. 

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit fordert daher: „Verbesserte Haltungsbedingungen, ein gutes Herdenmanagement und optimierte Hygienemaßnahmen sind die wichtigsten Instrumente, um einen restriktiven Einsatz von Antibiotika zu erreichen“.

Wie aber soll das durchgesetzt werden ? Im Januar 2014 wurde eine Dokumentationspflicht eingeführt, mit der die Bauern ihre Antibiotika-Anwendungen transparent machen müssen. Doch Kritiker halten diese Datenerfassung nicht für ein geeignetes Instrument, da nur die Häufigkeit der angewandten Antibiotika dokumentiert werden muss, nicht aber, welche Wirkstoffklasse zur Anwendung kommt. DokThema zeigt, dass Landwirte und Tierärzte nun immer öfter zu sogenannten One-Shot-Antibiotika greifen, zu Präparaten, die so stark sind, dass eine einzige Gabe reicht. Und auch die sorgsam gehüteten Reserve-Antibiotika kommen nach wie vor zum Einsatz.

Ein weitere Kritikpunkt am System ist das Recht der Tierärzte, Antibiotika direkt zur verkaufen. Das verleite dazu, dass zu viele Antibiotika verschrieben und verkauft werden. Denn die Ärzte verdienen daran. DokThema ist in Dänemark, wo das Dispensierrecht längst abgeschafft wurde und wo ein Kontrollsystem mit gelben und roten Karten die übermäßige Vergabe von Antibiotika streng sanktioniert.

21.11.2016: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Schweinefleisch ist nach wie vor eine bedeutende Infektionsquelle des Menschen mit Salmonellen


Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2015, die das Bundesamt für 
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute veröffentlicht hat, zeigen, dass Schweine 
zum Teil Träger von Salmonellen sind (5 bis 10 % positive Kotproben) und es im Rahmen der 
Schlachtung zu einer Kontamination der Schlachtkörper und des Fleisches mit eingetragenen Keimen 
kommen kann. Insbesondere aufgrund des teilweise üblichen Rohverzehrs (z. B. als Mett) geht von 
Schweinefleisch ein potenzielles Risiko für eine Infektion des Menschen mit Salmonellen aus. Die 
Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen zeigen, dass Bakterien, die von Läufern (Schweine vor der 
Hauptmast bis 30 kg) und Mastkälbern bzw. Jungrindern stammen, die höchsten Resistenzraten bei 
diesen Tierarten aufweisen. Dies spiegelt die häufige Antibiotikagabe bei diesen Tiergruppen wider.

Details lesen Sie hier.

18.11.2016: SPIEGEL berichtet: Resistente Bakterien verursachen Tausende Todesfälle


Dass Bakterien gegen Antibiotika resistent werden, ist ein globales Problem. Auch in Europa steigt die Zahl der Fälle. Doch es gibt einige positive Trends. Lesen Sie den vollständigen Artikel hier.

14.11.2016: ZDF WISO berichtet "Antibiotika-Resistenzen durch Tiermast"


Immer öfter funktionieren Antibiotika bei Menschen nicht mehr. Schuld daran sind die Haltungsbedingungen der Nutztiere. Ohne Medikamente würden viele nicht bis zum Schlachtdatum überleben. Den WISO Bericht finden Sie hier.

14.10.2016: Europäische Arzneimittel-Agentur EMA veröffentlicht Zahlen zu Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren in der EU - viel Nachholbedarf für Deutschland

 

Nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur werden Medikamente, die von der Weltgesundheits-organisation WHO als "von entscheidender Bedeutung in der Humanmedizin" eingestuft werden, in der Nutztierhaltung  in den großen Ländern der EU häufig eingesetzt. Und dies trotz der dringenden Empfehlung der WHO, diese Medikamente wegen ihrer Bedeutung in der Humanmedizin nur in den extremsten Fällen, wenn überhaupt, bei der Behandlung von Tieren zu verwenden.


Die Zahlen zeigen weiterhin, dass in der EU über 90% der in der Tierhaltung eingesetzten Antibiotika zur Herdenbehandlung über Trinkwasser oder Futter gegeben werden (sog. "Metaphylaxe"). Die positive Ausnahme bildet Schweden, wo über 90% der Antibiotika ausschließlich zur Einzelbehandlung kranker Tiere gegeben werden.


Setzt man die in den 29 EU-Staaten für die Tierhaltung verwendeten Antibiotikamengen in Relation zum jeweiligen (geschätzten) Gesamtgewicht der Tierbestände, so ergeben sich eklatante Unterschied   zwischen den einzelnen Ländern. Den relativ höchsten Antibiotikaeinsatz hat Spanien mit 419 mg/kg, den niedrigsten Norwegen mit lediglich 3 mg/kg. Der vermeintliche Vorreiter Deutschland liegt mit 149 mg/kg mehr als 6-mal so hoch wie ganz Skandinavien und fast 50-mal so hoch wie Norwegen ! (Zahlen von 2014).


Im Zeitraum 2011 - 2014 stieg in Deutschland der Verbrauch von Fluorchinolonen ( eine wichtige Klasse von "Reserveantibiotika") um 50% an, während er im gleichen Zeitraum in den Niederlanden um 72% zurückging !


 


Lesen Sie den vollständigen Report der Europäischen Arzneimittel-Agentur hier.


Zum Vergleich des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung in verschiedenen europäischen Ländern gibt es hier sehr informative Berichte.

 

15.10.2016: Kommentar im Niedersächsischen Zahnärzteblatt 10/2016


Das Niedersächsische Zahnärzteblatt berichtet in seiner Oktoberausgabe über die neuen Zahlen der Antibiotikaabgabe an die Tiermedizin. Das Blatt kommentiert dazu:


"Inzwischen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Mengen der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin aufgrund fehlerhafter Angaben eines Pharmaunternehmens korrigiert. 

„Insbesondere bei den Fenicolen und Fluorchinolonen gibt es starke Abweichungen von den zunächst gemeldeten Mengen“ schreibt das BVL. Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln, insbesondere Antibiotika, sie jährlich an Tierärzte abgibt. In seiner Pressemeldung bestätigt das BVL einmal mehr: „Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier sind wechselseitig möglich." 

Wenn man von diesen peripheren Zahlenspielen mit sedierender Wirkung absieht, muss man allerdings zu dem Schluss kommen, dass die politisch Verantwortlichen mehrheitlich nach wie vor nicht willens sind, eine der wesentlichen Ursachen der Resistenzbildung, die ursächlich verantwortlich ist für den Tod von jährlich
bis zu 15.000 Patienten in deutschen Krankenhäusern, an der Wurzel zu fassen. Zusätzlich dürfte die auf Wettbewerb, Umsatz und Konsum ausgerichtete EU-Politik mit ihren zahlreichen außerparlamentarischen „Helfern und Beratern“ kein wirkliches Interesse an einer stringenten Begrenzung der Antibiotikaabgabe und der allseits bekannten Antibiotikaverfütterung zu Mastzwecken in der industriellen Landwirtschaft haben.
Hier wäre insbesondere ein Mehr an ministerieller Verantwortung gefragt, das sich an der simplen Frage auszurichten hat, ob der finanzielle Mehrwert bei der Vermarktung von Mastvieh höher zu bewerten ist als die Vermeidung von Todesfällen durch bakterielle Resistenzen, insbesondere durch den Einsatz von Reserveantibiotika in der Landwirtschaft. In dem von Minister Gröhe vorgelegten 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung resistenter Keime heißt es: „Mit den Erfahrungen aus der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag bei der Ausarbeitung und Umsetzung des Globalen Aktionsplans ... in den kommenden fünf Jahren will Deutschland Partnerländer dabei unterstützen, Nationale Strategien zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen zu entwickeln und umzusetzen.“ 

Solche und ähnliche wohlfeile Merksätze aus Bürokratenfedern sind bestenfalls geeignet, das bekannte Elend zu dilatieren. Alles scheint so einfach. Warum produziert das über alle Maßen fleißige Gesundheitsministerium – in Koordination mit dem Landwirtschaftsministerium – keine Gesetzesvorlage, die zumindest den Einsatz von Reserveantibiotika in der Landwirtschaft schlicht verbietet – und zwar schnell? 
Die Antwort liegt auf der Hand ..."

Hier können Sie den Artikel herunterladen:

 


30.9.2016: Offener Brief an Bundesminister Christian Schmidt zu unzuverlässigen Zahlen über Antibiotikaabgabe an die Tiermedizin

 

Das Bündnis aus

- Ärzte gegen Massentierhaltung n. e. V.
- Coordination gegen BAYER-Gefahren e. V. (CBG)
- Germanwatch e. V.
- Health and Environment Justice Support e. V. (HEJSupport)
- Pestizid Aktions-Netzwerk e. V. (PAN Germany)
- Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V.

hat in einem Offenen Brief eine Anfrage an Bundesminister Christian Schmidt  zur Plausibilität und Verlässlichkeit der dokumentierten Antibiotika-Abgabemengen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gerichtet.

 

Wie bereits im Jahr 2014 hat das BVL die Zahlen für die Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin kurz nach deren Bekanntgabe korrigiert.  Begründet wird dies mit fehlerhaften Angaben eines anonymen Herstellers. In diesem Jahr sind die Abweichungen besonders eklatant: der Korrekturbedarf für einzelne Antibiotikaklassen beträgt bis zu 80 % ! Aber auch nach diesen Korrekturen bleiben viele Fragen offen.


Wir fordern erneut, die folgenden Maßnahmen zeitnah umzusetzen:

- Verbannung des Einsatzes von Reserve-Antibiotika aus Intensivtierhaltungen
- Angabe der „Defined Daily Doses“ als Erfassungskriterium zur Vergleichbarkeit von Antibiotika-Mengen  
- Die Erfassung des Antibiotika-Einsatzes in allen Tierhaltungen, nicht nur in  ausgewählten Mastbetrieben
- Durchführung eines Antibiogramms (Wirksamkeitstest) als Pflichtvorgabe bei Antibiotikaeinsätzen.
- Einschränkung der Umwidmungsmöglichkeiten von Wirkstoffen.
- Erhebliche Verbesserung der Tierschutzbestimmungen für alle Nutztiere in der Nutztierhaltungsverordnung  

- Verbot der Nutzung von Tieren aus Qualzucht.


Dateidownload
Hier können Sie den Offenen Brief herunterladen

 

 

21.9.2016: UN-Generalversammlung verabschiedet wegweisende Erklärung zum Thema antimikrobielle Resistenzen (AMR)

 

Lesen Sie die Deklaration im Wortlaut hierAuch Deutschland wird AMR auf die Agenda seiner G20-Präsidentschaft setzen, die im Dezember 2016 beginnt.

 

21.9.2016: 

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) korrigiert die im August genannten Zahlen

 

Aufgrund fehlerhafter Angaben eines pharmazeutischen Unternehmers müssen die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am 3. August veröffentlichten Daten zu den in Deutschland 2015 abgegebenen Mengen an Antibiotika in der Tiermedizin an einigen Stellen korrigiert werden. Nach Neuauswertung der Daten ergibt sich folgendes Bild: In Deutschland hat sich die Gesamtmenge der von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte abgegebene Menge an Antibiotika zwischen den Jahren 2011 und 2015 von 1.706 auf 805 Tonnen mehr als halbiert (minus 53 Prozent). Von 2014 zu 2015 ging die Gesamtmenge der abgegebenen Antibiotika um 433 Tonnen (35 Prozent) zurück. Die Abgabemengen für Antibiotika mit besonderer Bedeutung für den Menschen sind nicht – wie bei der ersten Auswertung 2016 ermittelt – angestiegen, sondern leicht gesunken.


Die Pressemitteilung des BVL lesen Sie hier.


Unsere Meinung:


Wie bereits im Jahr 2014 muss das BVL kurz nach Bekanntgabe der Zahlen für die Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin diese bereits wieder korrigieren. In diesem Jahr sind die Abweichungen eklatant: die genannten Mengen für  Fenicole differieren um über 80%, für Fluorchinole und Cephalosporine um 30% ! Es bleiben erhebliche Zweifel an der Verlässlichkeit der Daten. 


Nach wie vor ist über den Zeitraum 2011 bis 2015 ein bedenklicher Anstieg des Einsatzes von Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen festzustellen: 2015 wurden gut 30% mehr Flurochinolone in der Tierhaltung eingesetzt als vor 5 Jahren.


Hier hilft nur eine klare politische Vorgabe, nämlich die umgehende Verbannung dieser sog. Reserve-Antibiotika (Fluorchinolone, Cephalosporine, Colistin) aus der Intensivtierhaltung !

Antibiotikaeinsatz in industriellen Tierhaltungen: Wirkstoffwechsel statt weniger Antibiotika

 

Offener Brief an Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

(6. Sep. 2016) In einem Offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung gemeinsam mit weiteren Organisationen*, Reserveantibiotika aus der industriellen Fleisch- und Milcherzeugung zu verbannen, um diese besonders wichtigen Antibiotika-Wirkstoffe möglichst für die Humanmedizin wirksam zu erhalten.

Die von der Bundesregierung betriebene Datenbank zur Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in Tierhaltungen müsse an zentralen Stellen nachgebessert werden, um Anreize für den steigenden Einsatz von Reserveantibiotika daraus zu entfernen. Das Landwirtschaftsministerium hatte zwar Eckpunkte für weitere Regelungen für den Antibiotikaeinsatz bei Tieren vorgelegt, doch ohne den Erlass einer klaren Verordnung bleibt das Papier unwirksam für die Gesundheit von Mensch und Tier, kritisieren die Unterzeichner.

*Unterzeichnende Organisationen:

Coordination gegen BAYER‐Gefahren e. V. (CBG)


Germanwatch
Pestizid Aktions‐Netzwerk e.V. (PAN Germany)
Health and Environment Justice Support e.V. (HEJSupport)
Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V. 



Den kompletten Wortlaut des Briefes finden Sie hier:

Download

 

 

 

 

 


3.8.2016: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin halbiert - Gleichzeitiger Anstieg der Abgabemengen für Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen

In Deutschland hat sich die in der Tiermedizin abgegebene Menge an Antibiotika zwischen den Jahren 2011 und 2015 von 1.706 auf 837 Tonnen mehr als halbiert (minus 51 Prozent). Von 2014 zu 2015 ging die Gesamtmenge der abgegebenen Antibiotika um 401 Tonnen (32 Prozent) zurück. Das ergab die Auswertung der inzwischen im fünften Jahr erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Von 2011, dem ersten Jahr der Erfassung, bis 2015 wurde jedoch auch für einige Wirkstoffklassen ein Anstieg der Abgabemengen festgestellt, darunter Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. Generation. Diese beiden Antibiotikaklassen sind für die Therapie beim Menschen von besonderer Bedeutung.

 

Details lesen Sie hier.


Die Ärzteinitiative nimmt dazu Stellung:


Eine "Halbierung der Gesamtmenge" klingt wie eine richtig gute Nachricht, verdeckt aber leider nur eine alarmierende Tendenz. In der Tiermedizin werden in den letzten 5 Jahren zunehmend hochwirksame und für die Humanmedizin besonders wichtige Antibiotika eingesetzt wie Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. Generation.

 

Diese sog. "Reserve-Antibiotika" können deutlich niedriger dosiert eingesetzt werden (zum Teil nur 1/70 der Menge pro Therapiezyklus), d.h. 1 Tonne ersetzt bis zu 70 Tonnen konventioneller Antibiotika. Es besteht daher der Verdacht, dass wegen der geforderten Tonnage-Reduzierung auf Reserve-Antibiotika ausgewichen wird. Eine Reduzierung der Behandlungsfälle lässt sich daraus jedenfalls nicht schließen. Im Gegenteil: durch den vermehrten Einsatz dieser Mittel werden Resistenzentwicklungen noch gefördert.

Äußerst bedenklich ist auch der weiterhin hohe Einsatz von Colistin in der Tiermedizin, das die dritthöchste Abgabemenge vorweist. Anfang diesen Jahres wurden weltweit Übertragungen von Colistin-Resistenzen durch das MCR-1-Gen nachgewiesen. Dieses Gen kann zwischen verschiedenen Arten von Bakterien übertragen werden, was zu einer noch schnelleren Entwicklung und Verbreitung von Resistenz führt.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Ende Juli empfohlen, Colistin-haltige Arzneimittel künftig nur noch als Zweitlinientherapie bei Tieren zu verwenden und den Verkauf der Mittel in allen EU-Mitgliedstaaten zu minimieren, um die Gefahr von Resistenzentwicklungen zu verringern. 

Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation sowie Colistin sind aus humanmedizinischer Sicht absolut unverzichtbare Reserveantibiotika, die überhaupt nicht in der Tierhaltung eingesetzt werden sollten. Wir fordern das sofortige Verbot des Einsatzes dieser Antibiotikaklassen in der Tierhaltung.

 


Und hier finden Sie weitere Berichte in den Medien zu diesem Thema:


Radio Bremen, Buten un Binnen Magazin, 14.8.2016  Mehr Reserveantibiotika für Tiere


Weserkurier, 10.8.2016  Mehr Reserveantibiotika in Ställen  plus Kommentar: Wirkungslos


Radio Bremen Online, 14.8.2016 Weniger Antibiotika, mehr Gefahren?


Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V., 3.8.2016 Tierärzteverband erfreut über weiter gesunkene Antibiotikaabgabemengen


Greenpeace Magazin, 5.8.2016 Tiere bekommen weniger Antibiotika – ein großes Problem hat sich jedoch verstärkt


top agrar online, 5.8.2016   Antibiotikamengen in der Tierhaltung um 51 % gesunken ! 

 

Nordwest Zeitung 10.8.2016

27.7.2016: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt eine deutliche Einschränkung des Colistin-Einsatzes bei Tieren.

 

Nach Abschluß einer öffentlichen Experten-Anhörung hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfohlen, Colistin-haltige Arzneimittel künftig nur noch als Zweitlinientherapie bei Tieren zu verwenden und den Verkauf der Mittel in allen EU-Mitgliedstaaten zu minimieren, um die Gefahr von Resistenzentwicklungen zu verringern. Die EMA reagiert damit auf die Anfang diesen Jahres weltweit nachgewiesenen Resistenzübertragungen durch das MCR-1-Gen. Das Gen kann zwischen verschiedenen Arten von Bakterien übertragen werden, was möglicherweise zu einer noch schnelleren Entwicklung und Verbreitung von Resistenz führt. 

Details lesen Sie hier.


Dazu schreibt top agrar online am 3.8.2016      Antibiotika: Forderung der EMA umsetzen

13.7.2016: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) unterstützt Filterpflicht und Keim-Grenzwerte für Tierfabriken

 

Niederländische Studie belegt Gesundheits-Risiken für Agrarfabriken-Anwohner   
Vor dem Hintergrund der anstehenden Novellierung der Technischen Anleitung (TA) Luft durch einen Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums verweist der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) auf aktuelle Ergebnisse einer niederländischen Studie, wonach Tierhaltungsanlagen mit hohen Tierzahlen bei den Anwohnern zu einer verringerten Lungenfunktion und vermehrten Lungenentzündungen führen. Die AbL unterstütze deshalb die geplante Filterpflicht für Groß-Tierhaltungsanlagen und die längst überfällige Festlegung von Vorsorge-Grenzwerten für Keime und Bioaerosole im Referentenentwurf der TA Luft. Diese Vorsorge-Grenzwerte würden von Agrarindustrie-Kritikern, den „Ärzten gegen Massentierhaltung“ und dem bundesweiten Bürgerinitiativen-Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ seit langem eingefordert.   

Laut AbL liegen in Deutschland bislang kaum ähnliche Untersuchungen wie in den Niederlanden vor – diese Lücke gelte es rasch zu schließen, auch gegen den Widerstand von Agrarindustrie-Lobbyisten. Demgegenüber liefen in den Niederlanden seit Jahren detaillierte Untersuchungen über die Immissions-Auswirkungen von Agrarfabriken, und zwar in einem gemeinsamen Projekt der staatlichen Institutionen RIVM und NIVEL und der Universität Wageningen. Diese Untersuchungen, die Ende 2016 vollständig dokumentiert würden, stützten sich auf Daten von Hausärzten, Fragebögen und der Untersuchung von 2.500 Menschen.

Zu den bisherigen Ergebnissen gehöre auch die Erkenntnis, dass in der Nähe von Tierhaltungsanlagen weniger Menschen an Asthma und Atemwegsallergien erkrankten – ähnlich wie Personen, die auf Bauernhöfen aufwüchsen. Gleichzeitig würden Menschen mit einer COPD-Lungenfunktionsstörung unter erheblich stärkeren Beeinträchtigungen ihrer Lungenfunktion leiden – vor allem im Umkreis von 1 km mit hoher Dichte von Tierhaltungsanlagen. Insgesamt fanden die Wissenschaftler mehr Lungenentzündungen in diesen Regionen und eine höhere Anfälligkeit für Infektionen und Befall mit antibiotika-resistenten MRSA-Keimen.       

AbL-Vertreter Eckehard Niemann verwies in diesem Zusammenhang auf Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), wonach das Auftreten antibiotika-resistenter MRSA-Bakterien eindeutig von der Zahl der Tiere pro Bestand und den Haltungsbedingungen abhängig seien. Insofern werde die geplante Filterpflicht für agrarindustrielle Anlagen mit mehr als 2.000 Mastschweinen, 750 Sauen oder 6.000 Aufzuchtferkeln diese Risiken mindern. Frei gelüftete Ställe mit (immissionsmindernder) Einstreu und Auslauf der Tiere dürften danach nur unterhalb dieser Größenordnungen genehmigt werden, was auch hinsichtlich der Relationen von Tierwohl und Bestandsgröße Sinn mache. 

Zugleich würden so die mittelständisch-bäuerlichen Schweinehaltungsbetriebe und die Betriebe mit artgerechteren Haltungsbedingungen gegenüber dem bisherigen Konkurrenzdruck durch agrarindustrielle Tierhalter und deren erzeugerpreisdrückender Überschussproduktion entlastet. Die beabsichtigte bundesweite Filterpflicht schaffe zudem eine Wettbewerbsgleichheit zwischen den Ländern mit bestehender Filterpflicht (Niedersachsen, NRW, Schleswig-Holstein) und Ländern ohne bisherigen Filtererlass bzw. unzureichendem Filtererlass (Thüringen) . In jedem Fall müsse konsequent kontrolliert und geahndet werden, wenn Agrarindustrielle ihre Filteranlagen aus Kostengründen zeitweilig abstellten.  Die AbL forderte auch für Großanlagen der Geflügelhaltung eine rasche Filterpflicht, weil hierfür mittlerweile Filter entsprechend dem Stand der Technik vorhanden seien. Dies sei auch angesichts der EU-Forderung nach einer drastischen Senkung der Ammoniak-Immissionen in Deutschland dringend geboten.   

Das Bundesbaugesetzbuch, so die AbL, müsse zudem die bisherigen Bau-Beschränkungen für gewerbliche Tierfabriken rasch auf sämtliche Groß-Tierhaltungsanlagen ausdehnen, die EU-Vorgaben zum Tierwohl müssten auch in Deutschland endlich ordnungsrechtlich umgesetzt werden. Dann sei das Ziel einer mittelständisch-bäuerlichen und artgerechteren Nutztierhaltung und das Ziel einer EU-weiten Beendigung der agrarindustriellen Massentierhaltung durchaus realistisch, wie das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesagrarministeriums zur Zukunft der Nutztierhaltung an vielen Punkten belege. 


Die zitierte niederländische Studie finden Sie hier.

 


7.7.2016: Landtag Mecklenburg-Vorpommern beschließt: Reserveantibiotika ausschließlich für die Humanmedizin


Mit seinem Beschluss 6/5522 vom 7.7.2016 hat der Landtag Mecklenburg-Vorpommern sich hinter die Resolution des XIV. Parlamentsforums Südliche Ostsee vom 12.-14.6.2016 gestellt. Das Forum hatte alle Ostseeanrainerstaaten aufgerufen, u.a. die Verwendung von Antibiotika generell und insbesondere in der Landwirtschaft (Viehzucht) und Fischereiwirtschaft (Aquakultur) auf ein absolut notwendiges Maß zu reduzieren und Reserveantibiotika ausschließlich in der Humanmedizin einzusetzen.


Weitere Details finden Sie hier

 

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Klicken Sie auf den obigen Text, um die WHO-Liste der kritisch wichtigen Antibiotika zu sehen !