Ärzteblatt /Antibiotika in der Putenmast / ZEIT Artikelserie / Antibiotika im Grundwasser

Antibiotikaresistenzen - Experten diskutieren den Antibiotika­einsatz in der Intensivtierhaltung

Niedersächsisches Ärzteblatt 12/2014 mit einem Statement der Ärzteinitiative:


Antibiotikaverbot für Tiere:  In der Schweiz fordert die vom Bundesrat eingesetzte Fachkommission für biologische Sicherheit EFBS, die Landwirtschaft solle in Zukunft ganz auf Antibiotika verzichten. Antibiotika-resistente Bakterien stellen laut der Kommission die größte biologische Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz dar.

Wirksamkeit von Antibiotika erhalten – Einsatz in der Tierhaltung auf vernünftiges Maß reduzieren,

Antrag der Fraktion der GRÜNEN im Deutschen Bundestag, 12.11.2014


25.11.2014 Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: 92 Prozent der Puten in NRW mit Antibiotika behandelt

"Die Ergebnisse zeigen, dass ähnlich wie bei der Masthähnchen-Studie aus dem Jahre 2011 antibiotische Behandlungen die Regel und nicht mehr die Ausnahmen sind."
 

25.11.2014 BUND "92 Prozent der Puten in NRW mit Antibiotika behandelt. BUND fordert Bundesregierung auf, Antibiotika-Missbrauch zu stoppen"


Antibiotika in der Tierhaltung, Die Qual der PutenSüddeutsche Zeitung vom 25.11.2014


Evaluierung des Einsatzes von Antibiotika in der Putenmast, LANUV-Fachbericht 58, 2014

 

Putenhaltung in NRW, Ergebnisse einer BUND-Recherche 2013/2014

ZEIT-Artikelserie "Tödliche Keime"

 

Ab dem 20.11.2014 hat die Wochenzeitschrift Die ZEIT eine vierteilige Artikelserie zum Thema "Multiresistente Keime" veröffentlicht:

  

Diese Keime töten: Die Gefahr widerstandsfähiger Bakterien wird systematisch unterschätzt
Die Spur der Keime: der vollständige Datensatz aller Diagnosen und Fälle
Fiese Keime: Wie Krankenhäuser, Massentierhaltung und Antibiotika zusammenhängen – Infografik
Antibiotika: Das Wundermittel wirkt nicht mehr
Kann man trotz MRSA noch Fleisch essen?
Antibiotika: Gefährliche Lieferungen
Keim bleibt geheim: Ein Recherchebericht
Krankenhaushygiene: "Ich würde die ins Zimmer sperren"
Massentierhaltung: Der Tierarzt als Dealer
Tipps für Patienten: Den Ärzten auf die Finger schauen

Frankreich: Kein Pardon bei der Hygiene
Massentierhaltung: Ausbeutung der Arbeiter
Isolierung: Marsmenschen im Krankenhaus
Hygiene im Krankenhaus: Weniger Tote, weniger Kosten
Leserreaktionen: "Pflichtlektüre für wache Bürger"

Die Antwort der Politik
  

Auf der Webseite der Journalistengruppe CORRECT!V, die an der ZEIT-Serie wesentlich beteiligt ist, finden sich noch ausführlichere Artikel.

STELLUNGNAHME VON DR. MEYER

   

Die Berichterstattung der ZEIT vom 20.11.2014 „Die Rache aus dem Stall“ hat, wie nicht anders zu erwarten, heftige Reaktionen ausgelöst. So zieht beispielsweise der Deutsche Bauernverband - vertreten durch Herrn Werner Schwarz – in einem Offenen Brief an den Chefredakteur der ZEIT die fachliche Qualifikation des Gründers unserer Initiative, Herrn Dr. Gerd-Ludwig Meyer, in Zweifel. 


Wir zitieren: „Ein Arzt, wie der von Ihnen angeführte Gerd-Ludwig Meier, der bis zu 20 Antibiotika "ausprobiert", hat die gute fachliche Praxis längst verlassen. Wer keine Abstriche macht, die Erreger feststellt, bevor er zu weiteren "Versuchen" schreitet, ist für mich nicht vertrauenswürdig!“

 

Dr. Meyer stellt dazu folgendes fest: 

 

Ein therapeutisches Vorgehen wie beschrieben wäre natürlich in höchstem Maße sträflich gewesen. Insofern hat der Bauernverband recht.  Der Sachverhalt ist jedoch ein völlig anderer: 

 

Urin- und Blutproben der fraglichen Patientin wurden im Labor gegen 19 Antibiotika getestet und die Ergebnisse in einem Resistogramm dokumentiert. Dabei zeigten sich nur 3 Antibiotika als potentiell wirksam (d.h. die Bakterien waren gegen 16 Mittel resistent). Nur eines war für die Patientin am Schluß therapeutisch verwendbar und wurde als einziges gezielt eingesetzt. Die Patientin ist ca. 2-3 Wochen nach Erstellung des Resistogramms verstorben. 

 

Ich habe den Reportern der ZEIT das Resistogramm übergeben. Die Patientendaten waren selbstverständlich geschwärzt. Das gleiche Resistogramm habe ich einige Zeit zuvor in einem Interview mit Dirk Steffens („Projekt Hühnerhof“ für das ZDF ) in die Fernsehkamera gehalten. Dieses Interview wurde allerdings im Rahmen der obengenannten Reportage nicht gesendet.  

Reaktionen auf die ZEIT-Artikelserie

 

Landwirte und Tierärzte protestieren vor ZEIT-Gebäude,  hier auch im Film

 

Angela Merkel im Deutschen Bundestag am 26.11.2014

"Wir wollen in unserer Präsidentschaft konkrete Verbesserungen für die Menschen erreichen, in den Ländern der 

G 7, aber auch weit darüber hinaus, nicht zuletzt auch in den Entwicklungsländern. Ein Beispiel ist der Kampf gegen die sich weltweit ausbreitenden Antibiotikaresistenzen. In der Folge wird die Behandlung vieler Infektions-krankheiten immer schwieriger, Infektionen dauern länger, die Sterblichkeit steigt.  Ich begrüße ausdrücklich eine Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika vor allem bei der Nutztierhaltung. Wir müssen überlegen, was wir tun können, damit Ausbrüche von Infektionskrankheiten in Zukunft schneller und besser bekämpft werden können."

  

Nordwest Zeitung 20.11.2014  "Resistente Keime: Der hohe Preis des Billigfleisches

Wasserverband entdeckt Antibiotika im Grundwasser


Medien berichten über Antibiotika im Grundwasser in der Nähe des emsländischen Cloppenburg. Dort ist ein Zentrum der niedersächsischen agroindustriellen Tiermast, die sehr intensiv Antibiotika einsetzt:

Weser Kurier, Bremen 07.11.2014: “Antibiotika im Grundwasser”
NDR 06.11.2014: “Antibiotika im Grundwasser bei Cloppenburg”
NWZ online, Oldenburg 06.11.2014: “Tierarzneimittel im Grundwasser”
NWZ online, Oldenburg 06.11.2014: “Tierarzneimittel in Grundwasser – OOWV will Untersuchungen umgehend ausweiten”
NWZ online, Oldenburg 06.11.2014: “”Meinung: Einig handeln”
topagrar.com 06.11.2014: “Streit in Cloppenburg: Erstmals Antibiotika im Grundwasser”
Kreiszeitung, Syke 06.11.2014: “QQWV findet Antibiotika im Cloppenburg Grundwasser”

agrarheute 06.11.2014: Antibiotika im Grundwasser im Kreis Cloppenburg gefunden
 

Antibiotika-Boom in der Mast riskiert Menschenleben !

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern unternimmt Deutschland zu wenig gegen den hohen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Europaabgeordnete Martin Häusling (Grüne) in Auftrag gegeben hatte.


Gaststättenverband: Fleischindustrie wird zum Risiko für Gastronomie

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Raum Osnabrück-Emsland warnt vor Gefahr für die Gastronomie durch Keime aus der industriellen Tierhaltung.

 

DAK Antibiotika-Report 2014

Die DAK schreibt darin:

"Seit es Antibiotika gibt, leben Menschen länger. Bakterielle Infektionen, die früher mitunter lebensbedrohliche Folgen hatten, klingen innerhalb kurzer Zeit ab, wenn sie antibiotisch behandelt werden. Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten überhaupt. Das Problem: Die Medikamente werden häufig nicht zielgerichtet angewendet, deshalb entwickeln Bakterien immer öfter Resistenzen – die Wundermittel wirken nicht mehr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt bereits vor einer „postantibiotischen Ära", in der einfache Infektionen wieder zur tödlichen Gefahr werden können.

Neben der Forschung an neuen Wirkstoffen ist Aufklärung das wichtigste Gegenmittel, um die Ausbreitung von Resistenzen zu verhindern. Deshalb startet die DAK-Gesundheit mit diesem Report eine Aufklärungskampagne. Denn wenn Patienten Antibiotika richtig einnehmen, Ärzte die Medikamente restriktiver verordnen, Kliniken notwendige Hygienekonzepte umsetzen und in der Nutztierhaltung weniger Antibiotika eingesetzt werden, kommen wir der Problemlösung einen großen Schritt näher."

 

Der Forderung nach einem verantwortungsbewußten Umgang mit Antibiotika sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin können wir uns nur anschließen. Allerdings gibt es einen großen Unterschied: wir Humanmediziner behandeln kranke Menschen. In der Produktion von Lebensmitteln tierischen Ursprungs werden Antibiotika aber fast ausschließlich zur Gewinnmaximierung und zur Produktion von immer mehr für die Ernährung der Menschheit nicht erforderlichen und für unsere Gesundheit und Umwelt gefährlichen Produkten eingesetzt. 

 

Eine  Reaktion auf den DAK-Report findet sich auch hier:  Antibiotika - Skandale auf Rezept